Aus der EFA

Was Frauen bewegen können? Fragen Sie die Evangelische Frauenarbeit!

Die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Frauenarbeit

Es gibt Menschen, die behaupten, Frauen würden zu viel reden. Unsere Erfahrung ist eine andere. Frauen reden. Ja. Aber sie hören auch zu. Sie organisieren. Sie trösten. Sie widersprechen. Sie stellen Fragen, die sonst niemand stellt. Sie bringen Menschen an einen Tisch. Sie halten Gemeinschaft zusammen. Und es scheint in ihrer DNA zu liegen: Wo immer sie gebraucht werden, krempeln sie die Ärmel hoch und packen an.

Vielleicht ist genau das das Geheimnis der Evangelischen Frauenarbeit. Sie war nie eine Organisation, die einfach nur Veranstaltungen organisiert hat. Sie war immer ein Ort, an dem Frauen entdeckt haben: Gemeinsam können wir mehr bewegen als jede für sich allein.

Natürlich gibt es bei uns Frauenkreise. Natürlich wird gelacht, gefeiert und manchmal auch Kuchen gegessen. Aber wenn man genauer hinsieht, merkt man schnell: Hier geht es um viel, viel mehr.

Angefangen hat alles mit Frauen, die nicht einfach zuschauen wollten. Als während der NS-Zeit sämtliche kirchlichen Vereine verboten wurden, entstand 1940 die Evangelische Frauenarbeit als eigener Arbeitszweig der Evangelischen Kirche. Nicht mit einem großen Masterplan. Sondern der Not gehorchend. Nicht weil Frauen einen eigenen Bereich erhalten sollten, um ihren Glauben zu leben und sich zu entfalten. Sondern um die diakonische Arbeit der Kirche aufrecht zu erhalten.

Auch nach dem Krieg kümmerten sie sich um Menschen, denen buchstäblich das Nötigste fehlte. Sie organisierten Hilfe, sammelten Kleidung, unterstützten Familien und bauten Gemeinschaft wieder auf. Niemand sprach damals von „Empowerment“. Die Frauen haben es einfach getan.

Mit jeder Generation kamen neue Fragen dazu. Je besser es den Menschen materiell ging, desto deutlicher wurde: Brot allein reicht nicht. Frauen wollten lernen. Sie wollten sich austauschen. Sie wollten ihren Glauben verstehen, ihre Kirche mitgestalten und sich auch dort einbringen, wo gesellschaftliche Entscheidungen getroffen werden.

Die Evangelische Frauenarbeit ging diesen Weg mit. Manchmal leise. Manchmal unbequem. Aber selten angepasst. Denn christlicher Glaube hat, wenn man ihn ernst nimmt, immer auch etwas mit Gerechtigkeit zu tun. Und die ist nicht „billig“. Man erreicht sie praktisch nie nur mit „Lieb-Sein“.

Ein Blick zurück – und viele Gründe, dankbar zu sein.

Seit 1952 trägt die Evangelische Frauenarbeit den Weltgebetstag in Österreich mit – heute die größte ökumenische Basisbewegung von Frauen weltweit. Mit der Initiative Brot für Hungernde wurde 1960 internationale Solidarität Teil unserer Arbeit. Später kamen Kooperationen mit Organisationen dazu, die sich für Frauenrechte, soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Armutsbekämpfung einsetzen.

Darauf sind wir ganz schön stolz. Und sehr dankbar. Nicht weil wir alles richtig gemacht hätten. Sondern weil wir nie aufgehört haben zu lernen und uns zu entwickeln. Weil immer wieder evangelische Frauen zu uns gefunden haben und geblieben sind. Weil ihre kritischen Rückfragen immer wieder geholfen haben Selbstgerechtigkeit und Stillstand zu verhindern.

Und heute?

Längst sind wir keine Unterabteilung mehr, sondern ein Werk der Evangelischen Kirche mit eigener Rechtspersönlichkeit. Kirche ohne Frauenarbeit? Das ist schwer vorstellbar. Um in existentiellen Nöten zu helfen gibt es heute andere Organisationen. Uns beschäftigen heute Fragen, die viele Frauen bewegen:

  • Wie gelingt ein gutes Leben?
  • Wie teilen wir Sorgearbeit gerechter?
  • Wie schützen wir unsere Schöpfung?
  • Wie können Frauen ihre Begabungen entfalten?
  • Wie bleibt Kirche glaubwürdig?
  • Wie können wir Hoffnung leben, ohne die Augen vor den Problemen der Welt zu verschließen?

Dafür gibt es keine Patentrezepte. Aber wir glauben fest daran, dass gute Antworten meistens dort entstehen, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen.

Was uns wichtig bleibt

Die Welt verändert sich. Kirche verändert sich. Auch die Evangelische Frauenarbeit wird sich weiter verändern. Das ist nicht bedrohlich. Das war eigentlich immer schon so. Jede Generation hat ihre eigenen Fragen gestellt und ihre eigenen Antworten gesucht. Und wahrscheinlich wird jede Generation irgendwann feststellen, dass auch ihre Antworten nicht für die Ewigkeit gedacht waren. Das ist gut so.

Denn der Auftrag bleibt: Frauen stärken. Gemeinschaft ermöglichen. Den Glauben mit dem Leben verbinden. Und dort den Mund aufmachen, wo Menschen übersehen werden.

Ein Blick nach vorne

Manchmal werden wir aber doch gefragt, ob die Evangelische Frauenarbeit in Zukunft überhaupt noch gebraucht wird. Unsere Gegenfrage lautet dann meistens: Braucht unsere Welt weniger Mitgefühl? Weniger Gerechtigkeit? Weniger Hoffnung? Weniger Frauen, die Verantwortung übernehmen? Eben!

Solange es Menschen gibt, die füreinander einstehen, solange Frauen ihren Glauben nicht nur für sich behalten, sondern daraus Kraft schöpfen, die Welt ein kleines Stück menschlicher zu machen, wird die Evangelische Frauenarbeit ihren Platz in Kirche und Gesellschaft haben. Vielleicht nicht immer in derselben Form. Aber mit derselben Leidenschaft. Und falls dabei hin und wieder auch eine gute Tasse Kaffee auf dem Tisch steht – umso besser. Große Ideen brauchen schließlich manchmal einen Ort, an dem sie wachsen können.

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